Die unglaubliche Geschichte von Hartmut Guy in der Volksbühne


In der Volksbühne Michendorf ist ab Freitag das Stück „Geld spielt keine Rolle“ zu sehen. Es zeigt das Leben des Gastronomen und Entertainers Hartmut Guy. Es ist ein Leben voller Auf und Ab.

Warum sich ausgerechnet am 8. März der Vorhang zur Uraufführung von Hartmut GuysSchwank „Geld spielt keine Rolle“ in der Volksbühne Michendorf öffnet, ist nicht bekannt. Vielleicht befördert es ja die Emanzipation am Frauentag, ein Lehrstück vom grandiosen Komplettversagen einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Männern aufzuführen, zumal wenn es sich um eine „wahre Begebenheit“ handelt. Der Autor dieses Stückes, Hartmut Guy, versichert glaubhaft, die Handlung des Stückes habe sich in dem einst von ihm geführten Berliner Nobelrestaurant „Guy“ zugetragen.

Unglaubliche Geschichte aus „Guygantisches Gourmettheater“

Zweifel am Wahrheitsgehalt sind schon deshalb unangebracht, weil Guy seine unglaubliche Geschichte bereits 2011 in seinem Erzählband „Guygantisches Gourmettheater“ schilderte und keiner der Beteiligten je widersprach. Dabei ist die Biografie des Buchautors und Komödienschreibers derart bizarr, dass sie wie komplett erfunden wirkt. Guy wurde 1956 in Berlin-Köpenick geboren und erlernte den Beruf des Malers und Vergolders. Danach machte er seinen Meisterabschluss und arbeitete als Berufsschullehrer.

Theater, Kabarett, Studium und Restaurant

Hartmut Guy

Ab 1982 versuchte sich das Energiebündel Guy auf den Studiobühnenbrettern des Berliner Maxim-Gorki Theaters. Seit 1984 trat er auch im Potsdamer Kabarett Obelisk auf. Parallel absolvierte er von 1985 bis 1989 ein Schauspielstudium an der „Ernst Busch“ Hochschule in Berlin. Mit der Wende steigerte Guy seine Universalfunktionalität und eröffnete im brandenburgischen Freudenberg sein Restauranttheater, das „Gasthaus am Weiher“. Dort trat er entweder selbst auf oder es gastierten bekannte Schauspielkollegen. Am 15. Juni 1996 brannte das Gasthaus ab und er stand buchstäblich vor den Trümmern seiner Existenz.

Theater und Gasthaus in Brandenburgs größtem Blockhaus

Aber Guy wäre nicht Guy, wenn ihn das aus der Bahn hätte werfen können. Schon im Februar des nächsten Jahres war der Nachfolgebau fertig. In Brandenburgs größtem Blockhaus war natürlich außer dem Restaurant auch Platz für ein kleines Theater. 1999 ging Guy das nächste Wagnis ein: Er eröffnete am Berliner Gendarmenmarkt sein legendäres Gourmetrestaurant „Guy“, in dem sich all die skurrilen Ereignisse, die als Stückvorlage für den Schwank „Geld spielt keine Rolle“ dienten, abspielten.

Ab 2016 trat Guy nur noch künstlerisch in Erscheinung

2016 verkaufte Guy sein vorläufig letztes Restaurant in Berlin und widmete sich ausschließlich der Kunst. Er trat mit einem Soloprogramm auf und schrieb die Komödie „Geld spielt keine Rolle“. So musste ihn Regisseur Christian Schnell auch nicht lange bitten, die Hauptrolle in der Komödie zu übernehmen, die Guy zuvor als Gastronom hautnah durchlebt hatte.

Genau wie im Stück parkte eines Tages ein Fahrer den Bentley eines durchgeknallten amerikanischen Milliardärssohns direkt vor seinem Nobelrestaurant. Der Edelkarosse entstieg dann ein gewisser Claudius Vanderbilt jr. und äußerte den Wunsch, für eine halbe Millionen Euro genau hier seine Geburtstagsfeier zusammen mit Stars wie Tina Turnerund George Clooney sowie 250 weiteren Gästen zu feiern. Weniger überraschen konnte, dass dieses Ansinnen nicht allein den Restaurantchef in hellste Aufregung versetzte. Wie die beständig am Rande des Wahnsinns balancierende Geschichte ausgeht, wird man am 8. März um 19.30 Uhr erfahren, wenn sich in Michendorf der Premierenvorhang öffnet.

Beim Besuch der ersten Bühnenproben war allerdings bereits unübersehbar, dass nicht nur der Hauptdarsteller vor Eifer sprühte. Kaum hatte der schon erstaunlich textsichere Guy seinen Auftritt beendet, war der Regisseur im Zuschauerraum zu vernehmen. „Das war ja fast schon premierenreif!“, rief er völlig zu Recht und keiner widersprach ihm.

Aufführungen bis 31. März immer freitags und samstags um 19.30 Uhr sowie sonntags um 17 Uhr. Tickets: Tel. 033205 / 26 81 88.

Von Lothar Krone