Mit großem Erfolg wurde Hartmut Guys Schwank „Geld spielt keine Rolle“ in der Volksbühne Michendorf uraufgeführt. Das Stück ist eine Episode aus dem eigenen Leben des Autors und wurde am Schluss vom Publikum begeistert gefeiert.

Wenn im Vorfeld der Uraufführung einer Komödie wie „Geld spielt keine Rolle“ bekannt wird, dass dessen Autor Hartmut Guy sich selber spielt, weil sein Stück eine Episode aus dem eigenen Leben behandelt, ist das ausverkaufte Haus am Freitagabend in der Volksbühne Michendorf keine wirkliche Überraschung. Nicht zu erwarten aber war, dass Guy in der Hauptrolle als übel betrogener Nobelrestaurantchef und seine Mitspieler die elf Rollen des Schwanks zu viert bewältigen würden. Dabei erwies es sich als Glückgriff des Regisseurs Christian A. Schnell, dass er die Gestaltung von allein sieben extrem unterschiedlichen Typen Jens Ulrich Seffen andiente und auch Victoria Forberger in gleich zwei Rollen auf der Bühne stand. Guy und Nicolai Tegeler als Milliardärssöhnchen Claudius Vanderbilt jr., konnten sich dagegen auf eine einzige Charaktergestaltung fokussieren.

Vorlage ein Restaurant am Gendarmenmarkt


Die Handlung des Schwanks hat sich einst im Gourmetrestaurant des Autors am Berliner Gendarmenmarkt zugetragen. Im Stück heißt der Berliner Nobelschuppen „Goldesel“ und ist einer der Heimsuchungsorte eines Hochstaplers, der sich als Filius eines Geldmagnaten ausgibt. Er sei auf der Suche nach einer Location für seine „bescheidene“ Geburtstagsfete. Zum Vorverkosten werden ihm dort vom Chef bereitwillig teuerste Weine und kulinarische Extravaganzen serviert. Die Aussicht auf George Clooney, Tina Turnerund 350 weitere illustere Gäste sowie die Vorstellung, auf einen Schlag eine halbe Million Euro Umsatz zu machen, schalten nicht nur beim Restaurantchef sämtliche Alarmsysteme aus. Reihenweise verfallen dem Blender immer neue Opfer, bevor der Übeltäter enttarnt und am Schluss sogar heftig verbeult wird.

Lachtränen und Aufkreischen

Dieses eigentlich ziemlich vorhersehbare Geschehen trotzdem flüssig und unterhaltsam auf und über die Bühne gebracht zu haben, ist ein Verdienst von Schnells Regie und Martin Riedles Bühnenbild. Ihr Zusammenspiel ermöglichte erst die vielbeklatschten amüsanten Telefondialoge und die ständigen szenisch bedingten Ortswechsel. Dabei speiste sich die Komik der Inszenierung häufig aus den sketchartigen Dialogen der verschiedenen Akteure. Zum Höhepunkt des Abends wurde das Aufeinandertreffen des geprellten Restaurantchefs mit einem von Seffen gespielten Hauptwachtmeister auf dem Revier. Der vergebliche Versuch des erregten Restaurantchefs, dem drögen Polizisten zur Aufnahme einer Anzeige zu bewegen, trieb dem Publikum Lachtränen in die Augen. Zur allgemeinen Freude sächselte der ebenso betuliche wie begriffsstutzige Hauptwachtmeister so echt, dass einige der Zuschauer sogar begeistert aufkreischten. Überhaupt war Seffen ein ständiger Quell der Heiterkeit. An seinen wechselnden Kostümierungen und Sprachmustern vom wienerisch säuselnden Weinhändler bis zum arrogant näselnden Galeristen fand er selbst sichtlich Gefallen.

Tosender Beifall ist gerechtfertigt

Zentrale Gestalt des Stückes ist der Restaurantchef. Guy verstand es, seinem sympathisch nervösen und egomanen Gastronomen Charakter und Gestalt zu verleihen. Urkomisch auch Guys „Verhördialog-Duett“ mit Forberger als Naivchen Jasmin Mausemund. Tegeler als daueralkoholisierter durchtriebener Schlawiner und Forberger in der Rolle der Belinda Blasewitz komplettierten eine sehr unterhaltsame geschlossene Ensembleleistung. Zu Recht gab es dafür zum Schluss jede Menge Beifall.

 

Von Lothar Krone